Grenzen zu überschreiten ist etwas Feines – nicht nur für Kinder und nicht nur im verbotenen Sinne. Dank der europäischen Freizügigkeit sogar ganz konkret im geografischen.
So lebt in meiner Familie eigentlich jede*r gerne an einer Grenze. Meine Ursprungsfamilie und viele meiner alten (im Sinne von langjährigen!) Freundinnen wohnen nahe der niederländischen Grenze in Deutschland. Meine Schwester lebt direkt an der Grenze zu Österreich. Und wir knapp neben Italien, in Frankreich. Nur mein Schwiegervater lässt sich vom Indischen Ozean eingrenzen: Er kommt von La Réunion. Diese Insel gehört zwar zu Frankreich, ist hierzulande jedem bekannt, in Deutschland aber weitgehend unbekannt (dazu ein anderes Mal mehr).
Wir sind also schon allein für Freunde- und Familienbesuche ständig unterwegs. Und weil wir unsere Unabhängigkeit lieben, reisen wir fast immer mit dem Auto. Zugfahrten zu fünft sind in Frankreich ohnehin alles andere als erschwinglich. (Euer Deutschlandticket beneiden wir daher sehr!)
Weil chaotische Menschen, die alles auf einmal machen wollen, nie pünktlich sind, starten wir mit tödlicher Sicherheit immer erst spät abends. Und weil uns Autofahren so sehr entspannt, sind wir leider auch geneigt, regelmäßig am Steuer einzuschlafen. Unzählige Male mussten wir deshalb unterwegs in Hotels einkehren, oft mit dem kleinen Trick, ein Kind heimlich „reinzuschmuggeln“, weil man ab drei Kindern fast immer ein zweites Zimmer buchen muss. (Mein Sohn findet übrigens, ich sollte das lieber nicht veröffentlichen… falls die Polizei mitliest.)
Als wir 2023 ein neues Zelt brauchten, stieß ich zufällig auf Dachzelte. Sofort wusste ich: Da ist sie, die Lösung für all unsere „Autofahren-wiegt-uns-in-den-Schlaf“-Probleme. Nach ausgiebigen Recherchen fanden wir einen innovativen französischen Hersteller und verwandelten unser Auto in ein rollendes Baumhaus.
Natürlich haben wir uns für die winterfeste Baumwollversion entschieden. Nachdem ich diese coolen Videos von einem Islandreisenden gesehen hatte, den morgens die Rentiere begrüßten, dachte ich: man weiß ja nie... Das Belüftungssystem sorgt für ständige Frischluft. Ich liebe dieses Gefühl, oben auf dem Auto zu liegen, in totaler Sicherheit und doch wie unter freiem Sternenhimmel. Auch wenn mir eine Islandtour mit drei Kindern dann doch zu roots ist – selbst mit der Baumwollversion.
Zum Thema Frischluft fällt mir da übrigens unsere allererste Nacht im Zelt an der Nordsee ein. Mit Böen bis zu 70 km/h haben wir unser Zelt gebührend eingeweiht, während meine Mutter schon verzweifelt vorschlug, die fünfköpfige Familie in ihr Wohnmobil umzuleiten, aus Angst, der Wind könnte uns vom Dach fegen. Aber wir haben durchgehalten. Seitdem wissen wir: Unser mobiles Baumhaus hält einiges aus (laut Hersteller bis zu 100km/h). Diese Grenze brauche ich allerdings nicht zu testen!
Und würde ich unsere Kinder nicht jeden Abend mit meinem ewigen Dankbarkeitsmantra nerven „Na, spürt ihr was? Die frische Brise um eure Nasen?“ würden sie wohl sofort unterschreiben: Dieses Familienbett ist das schönste der Welt.
Unperfekt, aber echt,
Katja




